SEED-2: emotionale Entwicklung systematisch einordnen
SEED-2 ist ein standardisiertes Fremdeinschätzungsverfahren zur Erhebung des emotionalen Entwicklungsstands bei Personen mit einer Störung der Intelligenzentwicklung. Die aktuelle Fassung umfasst sechs Entwicklungsphasen und acht Domänen.
Was ist die eigentliche Idee?
Verhalten wird nicht nur danach beurteilt, ob es „angemessen“ wirkt. Stattdessen wird gefragt, welche emotionale Entwicklungsaufgabe hinter einer Situation stehen könnte. Dadurch kann sichtbar werden, warum ein Mensch in manchen Bereichen sehr selbstständig ist und in anderen Situationen intensive Beziehungs- oder Regulationsunterstützung benötigt.
Warum ist das für die Behindertenhilfe relevant?
Unterstützung scheitert oft nicht an fehlendem Engagement, sondern an einer unpassenden Anforderung. Wer abstrakte Einsicht erwartet, obwohl eine Person in Belastung vor allem Sicherheit, klare Wiederholung und Co-Regulation benötigt, erhöht unbeabsichtigt den Stress. Entwicklungsorientierung kann helfen, Erwartungen und Hilfen besser aufeinander abzustimmen.
Was bedeutet Referenzalter?
Das Referenzalter ordnet typische Entwicklungsaufgaben einem Altersbereich der kindlichen Entwicklung zu. Es sagt nicht, dass ein erwachsener Mensch „wie ein Kind“ sei. Würde, Rechte, Biografie, Erfahrung und Erwachsenenstatus bleiben davon unberührt.
Was gehört immer zusätzlich in die Betrachtung?
- körperliche Gesundheit und Schmerz
- psychiatrische und psychologische Differentialdiagnostik
- Kommunikationsmöglichkeiten und Sprachverständnis
- Autismus und sensorische Besonderheiten
- Trauma, Verlust, Beziehungserfahrungen und Biografie
- Umwelt, Reizniveau, Tagesstruktur und aktuelle Belastung